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Laibach "Opus Dei (Remastered 2CD)"

Wenn man in der Laibach-Diskographie den frühen Klassiker oder auch das frühe Meisterstück benennen müsste, würden wohl viele Stimmen auf das vorliegende Werk fallen. "Opus Dei" markiert bis heute einen entscheidenden Wendepunkt hin zu mehr Aufmerksamkeit und nicht selten auch Entrüstung. Waren die zuvor erschienenen Alben für die breite Masse zu atonal, zu brachial, zu rumpelig (in Szenekreisen sind das natürlich Argumente für den Kultstatus…), so katapultierte "Opus Dei" die slowenische Band ins Rampenlicht. Wesentlich dazu beigetragen haben natürlich die Interpretationen von "Life is life" (Opus) aka "Leben heißt Leben" und "One vision" (Queen) / aka "Geburt einer Nation", welche den Pop-Songs resp. der Gesellschaft den (Zerr-)Spiegel vorhielten, indem sie die stets nebenbei mitgeträllerten Texte hinterfragten. Brachial durchbrach man die Party-/Hochglanz-Attitüde der Originale und provozierten nicht selten die "Darf man das?"-Frage. Doch an wen sollte sich diese richten? An die ursprünglichen Songschreiber oder die Verfasser der Neuinterpretation? Aber auch die anderen Tracks verdienen definitiv Beachtung und Verehrung. Das stampfende "Leben – Tod" zum Beispiel mit seiner Zeile "Es gibt ein Leben vor dem Tod" steht für die damalige Essenz der Band. Das sinfonische "F.I.A.T. (Let it be)" trägt bereits die Keimzelle der späteren "Iron sky"-Soundtracks und das atonale Rhythmus-Monster "Trans-national" lässt die Tanzflächen-Hits der 90er durchschimmern.
In der vorliegenden, brillant remasterten Version erstrahlen die acht Tracks in fast schon schmerzhaft grellem Licht. Ungehörte Details kommen zum Vorschein, Genuscheltes wird plötzlich verständlich und der Bombast kann sich endlich zu ganzer Größe entfalten. Dieser Maximal-Dosis muss man gewachsen sein, sonst droht spätestens beim Abschlusssong "The great seal" der mentale, wenn auch heroisch untermalte Zusammenbruch. Und wer kann sich diesen schon leisten, denn gilt es doch noch, die Bonustracks in voller Pracht zu genießen. Diese bestehen zunächst aus zwei grandiosen Remixen von "Geburt einer Nation" (Eine Richtung und ein Volk Version / 3.Oktober Kraftbach-Version) sowie der Marche Funèbre Version von "Leben heißt Leben".
Auf der zweiten CD gibt es im Anschluss die volle Live-Dröhnung. Fast alle Songs des Albums wurden nämlich bei diversen Auftritten (1987-1992 - London/Paris/Berlin/Wien/San Francisco+Somewhere in Europe/US – sic!) aufgenommen, wobei allein "Leben heißt Leben" vier Mal vertreten ist. Dabei hat man erneut ganze Mastering-Arbeit geleistet, denn die Mitschnitte bestechen durch eine erstaunlich gute Qualität. 80 Minuten später ist man wahlweise glücklich erschöpft oder durch mit der Welt. Vielleicht hat man aber sogar Lust bekommen, Laibach (mal wieder) live zu erleben. Die Gelegenheit bietet sich von Mai bis Oktober 2024 in Deutschland sowie im europäischen Ausland. (Torsten Pape)

Label Mute/PIAS | 10.05.2024 | Homepage www.facebook.com/Laibach/

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