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Darkness On Demand "Panic in reserve"
Das englische Wort "alien" kann man auf mehrere Weisen ins Deutsche übersetzen. Es steht nicht nur für die oder den "Außerirdische(n)", sondern auch für die Adjektive "fremd" und "ausländisch". Denkt man über all diese Worte nach, so sind sie in der breiten Masse wahrscheinlich eher negativ besetzt. Oder assoziiert man, wenn man sie hört, stets Bilder von spannender Bereicherung und Vielfalt? Es wäre so schön. Bei den meisten Menschen provozieren sie wohl ein mulmiges Gefühl, wecken Ängste und haben das Potenzial, hin und wieder sogar Panik auszulösen. Entspricht etwas nicht dem gewohnten Denken oder den alltäglichen Bahnen, breitet sich nicht selten Unsicherheit aus, die bis hin zur Abwehrhaltung/Aggression führen kann.
Auf dem Cover der neuen DOD-Single sowie des gleichnamigen Albums prangen Alien-Köpfe, die nicht unbedingt das Gefühl wecken, Ihnen nähertreten zu wollen. Vielmehr strahlen sie eine unheimliche Atmosphäre aus und lassen den Betrachter in sicherer Distanz verweilen. Daran ändert auch das halbe Herz, das seitlich aus dem einen Kopf entspringt, nichts Grundlegendes. Könnte ja jeder kommen und mit so einem schnöden Symbol der Liebe um Sympathien buhlen. Da bräuchte es schon noch ein bisschen mehr Niedlichkeit oder gängige Erotik-Reize, um sich DAS mal aus der Nähe zu betrachten.
Trotzdem kann man sich des Gefühls der Faszination nicht gänzlich erwehren. Eine magische Anziehungskraft entströmt den kurz zuvor noch als abstoßend oder zumindest unheimlich empfundenen Bildern. Am Ende bricht der Widerstand und man hört erfüllt mit wohligen Schauern in die dahinter befindlichen zehn hochwertigen Electro-Tracks hinein. Dort singt Fronter Gary Wagner über Unterdrückung*, eine Fahrt ins Graue*, die Eröffnung einer Schädeldecke* oder das sagenumwobene "Barbie*lon". Die gute alte Panik hat man dabei stets in der Hinterhand* und auch ein Drink oder ein Joint* befinden sich immer in Reichweite. Es wäre jedoch falsch, wenn man behaupten würde, dass sich all diese "farbenfrohen" Eindrücke nur mit einem benebelten Geist ertragen lassen. Vielmehr überzeugt das neue Werk der Nordfriesland-Berlin-Kooperation auch in nüchternem Zustand mit strammen Rhythmen, eingängigen Melodien und intensiven Atmosphären. Immer wieder schaut dabei ein weiteres Alien um die Ecke, aber mit fortschreitender Laufzeit des Albums fühlt man sich als Hörer dieser Herausforderung mehr und mehr gewachsen. Sollen sie doch kommen, die E.T.s und ALFs dieses Universums! Mutig tanzend tritt man ihnen entgegen, man hat ja schließlich das DOD-Pfadfinderbuch gelesen. Wenn schließlich ein neonfarbener Beat* in die Stille* führt und sich der Staub* gelegt hat, wird man schon sehen, wer der Gewinner ist. Falls man höchstselbst auf dem Boden liegen sollte, ist es sowieso zu spät, um in Panik zu verfallen. Ob Sieg oder Niederlage - selbst einen langweiligen Tag* kann man am Ende eines ereignisreichen Weges zu schätzen wissen.
*Tracklist: "Oppression" - "Panic in reserve" – "Barbie*lon" – "Dust" – "Out of the grey" - "Between drinks and lots of haze" - "Neon beat" – "Silence" – "Lobotomie" - "Dull day" (Torsten Pape)
Label Alfa Matrix | VÖ 06.12.2024 | Homepage www.facebook.com/darknessondemand/