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Kim Wilde "Closer"

Fans von Kim Wilde werden angesichts des neuen Albums sofort an das Jahr 1988 denken, denn der optische Verweis auf das damals erschienene Album "Close" ist mehr als nur ein Wink mit dem Zaunpfahl. Ein naheliegender Gedanke an eine Neuaufnahme des Klassikers kommt einem kurz in den Sinn, aber was soll es an diesem Meisterwerk noch zu verbessern geben, was die remasterte Neuauflage von 2013 nicht schon hervorgezaubert hätte? Richtig: Nichts. So wird "Closer" von der Künstlerin folgerichtig auch als "natürlicher Begleiter" von "Close" angekündigt und lassen wir uns doch einfach auf diese Befindlichkeit und das darin erkenntliche Gedankenspiel ein. Ein verbindender Aspekt ist natürlich sofort die unverkennbare Stimme von Kim Wilde, die einfach nicht zu altern scheint. Auch an Energie mangelt es der mittlerweile 64-jährigen Dame nicht, was die bereits im letzten Jahr veröffentlichte Single "Trail of destruction" eindrucksvoll beweist. Aber auch der zweite Vorab-Track "Midnight train" stürmt als Album-Opener in eine ähnliche pop-rockige Richtung und das folgende "Scorpio" springt ebenfalls schwungvoll aus den Boxen. Nun erklingt das bereits erwähnte "Trail of destruction" und an diesem Punkt hat man unweigerlich den Eindruck, dass dieses Album eher an die kraftvollen Aspekte des direkten Vorgängers "Here come the aliens" anknüpft als an das im Gesamteindruck doch eher ruhige "Close". Im Anschluss beweist die Britin jedoch, dass sie die gemäßigten Töne nicht verlernt hat. "Sorrow replaced", ein edles Duett mit Midge Ure, geht bereits tief unter die Haut bevor "Lighthouse" endgültig das ganz große Gefühlskino eröffnet. Klingt der nächste Songtitel "Love is love" ebenfalls nach einer beschaulichen Nummer, erstaunt die Umsetzung des universellen Mottos mit einer äußerst beatlastigen und somit discotauglichen Ausführung. Raketen sind bekanntlich auch nicht langsam oder leise und so ist es nur logisch, dass "Rocket to the moon" das Gaspedal weiter gedrückt hält. Die Gitarren werden auch beim im Midtempo verorteten "Hourglass human" nicht eingepackt, bei dem Miss Wilde gesangliche Unterstützung von ihrer Nichte Scarlett erhält, bevor das stadiontaugliche "Stones and bones" eine weitere Ohrwurmmelodie kredenzt. Den Abschluss bildet der hymnische Schmachtfetzen "Savasana", welcher sich basslastig groovend vom Hörer verabschiedet.
Am Ende hätte es für mich gar nicht die Referenz an das 80er Frühwerk benötigt, denn "Closer" beeindruckt auch losgelöst davon in allen Bereichen. Was beide Werke gemeinsam haben, ist die Freude am Musizieren, welche förmlich aus jeder Note sprudelt, aber um ehrlich zu sein, wirkt "Closer" am Ende sogar ein bisschen frischer. (Torsten Pape)

Label Wildflower Records / Cherry Red | 31.01.2025 | Homepage www.facebook.com/officialkimwilde/

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