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Laibach "Spectre"
Man hätte dieses lange und sehnsüchtig erwartete Album auch mit dem Track "Resistance is futile" beginnen und mit dem Ausruf 'We are Laibach and you will be assimilated. Blitzkrieg!' sprichwörtlich mit der Tür ins Haus fallen können. Laibach gehen aber generell andere Wege und entschieden sich für einen geradezu sanften Einstieg. "The whistleblowers" erscheint zunächst auffällig handzahm, ja geradezu poppig anschmiegsam, doch im weiteren Verlauf werden dann immer mehr Bläser und Streicher aufgefahren. Alles wirkt herrlich bombastisch und der Klangkosmos wird zusehends auf die gewohnte Größe aufgeblasen. Bei den nächsten Songs erklingen dann auch endlich die knallharten, stampfenden, coolen Beats und krachig-industrielle Sounds kommen ebenfalls zum Einsatz. Der urige, ultra-sonore Gesang von Milan Fras fehlt dabei ebenso wenig wie der Einsatz einer heroischen Frauenstimme - der slowenische Zug hat endgültig Fahrt aufgenommen. Songs bzw. Songtitel wie "Eat liver!", "Eurovision", "Bossanova", "Koran" oder auch "The parade" weisen dabei auf ein breites Themenspektrum hin, aber man merkt dem Gesamtwerk auch schnell eine in dieser Ausprägung ungewöhnliche, politische Deutlichkeit an. Viele Botschaften und Meinungen werden nämlich messerscharf unzweideutig vermittelt. Durch die äußerst gelungene Verbindung der typischen Markenzeichen mit dem dunklen Hochglanz der Produktion und den scharfzüngigen Texten nah am (welt-)politischen Puls der Zeit ist dieser stilvolle, energetische Vormarsch wohl kaum aufzuhalten. Schon jetzt ist jedenfalls gewiss, dass "Spectre" das Zeug zu einem weiteren, monumentalen Meisterwerk in der Diskographie Laibachs hat. (Torsten Pape)
Label Mute / Goodtogo | VÖ 28.02.2014 | Homepage www.laibach.org