-
Laibach "Spectremix"
Nachdem das geniale Album "Spectre" vor ziemlich genau einem Jahr auf den Markt kam, schickt man nun eine etwas aufgepimpte Digitalversion hinterher, die neben den vier damals bereits erhältlichen Bonustracks zudem noch eine Live-Version von "Life on the beat" sowie das Remix-Album "Spectremix" enthält. Dieses ist auch separat erhältlich und soll nun an dieser Stelle besprochen werden. Wer Laibach kennt, der weiß sicherlich, dass sie mit ihren Remixaufträgen statutengetreu ebenfalls immer etwas eigene Wege gehen. Meistens werden in diesem Rahmen eher die Strukturen zerlegt, in andere Kontexte gesteckt und nicht selten hört man das Original am Ende kaum noch heraus. Eigentlich genau das, was Laibach über die Jahrzehnte ebenfalls oft praktiziert haben. Mit Toruls Remix von "Eurovision" hat man jedenfalls eine der eingängigen Variationen an den Anfang gestellt. Brummelnd, wabernd und bedrohlich gewinnt dieses Stück hier sogar noch an Tiefe. Das nicht nur durch seine gepfiffene Melodie äußerst prägnante "The whistleblowers" wurde danach jedoch gleich zwei Mal auf links gedreht und so sind nun ein sich langsam aufbauender, monotoner Club-Stampfer (Marcel Dettmann) sowie eine reichlich verquere Bearbeitung (Diamond Version) entstanden, wobei letztere wenigstens noch das Pfeifen und ein paar Stimmen enthält. Mit der "Koran"-Version von Alex Smoke erreicht dann die Zerhackstückung eines Songs ihren Höhepunkt und das darf man dann auch ruhigen Gewissens als anstrengend empfinden. Dagegen wirkt der Remix von iTurk mit seinen Trance-Anleihen geradezu wie ein luftiger Frühlingswind, der sogar Radiotauglichkeit in sich bergen könnte. Das ursprünglich geradezu amüsant-schnuffige "Eat liver" erhält danach von Gramatik einen clubbigen Scratch-Einschlag und Function ziehen "Resistance is futile" durch ihre loungige Fassung wirklich alle Zähne. Bei "We are millions and millions are one" wird durch Konstantin Sibold zwar auch minimal, aber doch ein wenig bleepend-volumninöser agiert, was erstaunlich gut funktioniert. Zum Schluss darf Herr Dettmann noch mal ran, wobei "Eurovision" gänzlich anders als seine erste Baustelle ausfällt, da hier eine bedrohliche und grandiose Entschleunigung betrieben wird. Wer sich dieses Remix-Album zulegt, sollte also in jedem Fall einen sehr breit angelegten Musikgeschmack haben und damit rechnen, dass man hier oft nicht mehr viel von den Ausgangswerken erkennen kann. Wenn man den Geist in diesem Sinne zu öffnen vermag, wird man zumindest mit einem variantenreichen und stimmungsvollen Hörerlebnis belohnt. (Torsten Pape)
Label Mute | VÖ 27.03.2015 | Homepage www.laibach.org